RHEINBACH.  Das Wunderding sieht aus wie eine Zündkerze. Doch es schlägt keine Funken, sondern produziert Ozon und desinfiziert damit Wasser.

 

Microzellen Prüfstand - Innovatec

Ozonzelle im Test (v.l.): Hochschulpräsident Hartmut Ihne, Doktorandin Sara Saß und Innovatec-Geschäftsführer Dirk Schulze vor einem Prüfapparat. Foto: Roland Kohls

 

Dirk Schulze (51), Chef der Innovatec Gerätetechnik in Rheinbach, setzt große Hoffnungen auf sein kleines Gerät: „Überall, wo Wasser mit geringem Aufwand desinfiziert werden soll, kann man unsere Mikrozelle einsetzen.“ Zu den Kunden von Innovatec zählt bereits die Pharmaindustrie. Dass die Entwicklung möglich wurde, verdankt Schulze auch der Kooperation mit der Hochschule Bonn Rhein-Sieg.

„Zunächst war die Erfindung purer Zufall“, berichtet der gelernte Feinmechaniker. „Wir tauchten eine kleine Mikrozelle in ein Wasserglas und erwarteten eigentlich, dass sie, wie große Zellen auch, kaputtgeht. Ging sie aber nicht.“ Schulze und sein Team erkannten zwar schnell das Potenzial ihrer Entdeckung. Um zu einem marktfähigen Produkt zu kommen, mussten sie aber klären, warum und unter welchen Voraussetzungen ihre Apparatur überhaupt funktionierte. „Als kleine Firma mit 15 Mitarbeitern konnten wir uns solch aufwendige Forschung nicht leisten. Die Hochschule hat uns da sehr geholfen“, lobt Schulze.

Gleich drei Forschergruppen an der Hochschule – koordiniert von Gerd Knupp, Professor für Analytische Chemie und Umweltanalytik – beschäftigten sich mit Leistung, Sicherheit und Langzeitverhalten des neuen Systems: Der medizinische Mikrobiologe Dieter Reinscheid testete die Desinfektionsleistung in Wasserleitungen und untersuchte das Risiko der Wiederverkeimung.

Der Chemiker Steffen Witzleben untersuchte das Verhalten der Mikrozelle gegenüber sehr kalkhaltigem Wasser und die Langzeitstabilität der verwendeten Elektroden. Knupp untersuchte das Abbauverhalten von möglichen Wasserverunreinigungen wie Arzneimittel, Pflanzenschutzmittel und Industriechemikalien durch Ozon.

Insgesamt konnten Innovatec und die Forscher der Hochschule gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR rund 800 000 Euro aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung lockermachen; gut 200 000 Euro davon trug Innovatec selbst. Bei der DLR und Innovatec beschäftigten sich Techniker, Ingenieure und Wissenschaftler mit der Konstruktion der Ozon – Mikrozelle.

„Die ganze Zusammenarbeit war hocheffizient“, lobt Schulze. Ob zur Herstellung von Hustensaft, für die Getränkeherstellung, zur Legionellenbekämpfung oder generell als Verkeimungsschutz in Wasserbehältern und Rohrsystemen – der Einsatzbereich der kleinen Ozonzellen ist groß. Rund 20 000 Stück des Micro Desinfektionssystems produziert Innovatec derzeit jährlich. Für Schulze hat sich ausgezahlt, dass er seit vielen Jahren den Kontakt zur Hochschule pflegt.

„Die Studierenden können bei uns Praxiserfahrung sammeln und ihre Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten machen.“ Innovatec, das im vergangenen Jahr sein 20-jähriges Bestehen feierte, hat inzwischen seinen Sitz auf dem Campus der Hochschule in Rheinbach und dort ein eigenes Gebäude gebaut. Für die Hochschule seien Partner wie Innovatec „unbezahlbar“, wertet Hochschulpräsident Hartmut Ihne die Zusammenarbeit.

QUELLE: General Anzeiger Bonn – Artikel vom 20.10.2015